Konzeption

Schiffe und maritime Technologien im Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Meer (spätes 19.–frühes 21. Jahrhundert)

Im Fokus der Ausstellung des Bangert-Baus steht das Schiff in seiner Wechselwirkung zwischen Umwelt und Technik.

Folgende Leitfragen strukturieren die einzelnen Themenbereiche:

  • Welche natürlichen Räume ermöglichen Schifffahrt und welche globalen Vorgänge prägen sie (Modul A – Planet Meer)?
  • Wie entsteht ein Schiff, wer baut ein Schiff (Modul E – Akteure im Schiffbau)?
  • Warum schwimmt ein Schiff, wie berechnet man die Gezeiten, was gehört zu einem Schiff (Modul C – Schiff und Physik; Modul D – Schiff und Ausrüstung)?
  • Wie wird ein Schiff navigiert, wie hält es Kurs (Modul G – Moderne Navigation)?
  • Wie erforschen Menschen mithilfe von Schiffen und anderen maritimen Technologien die Meere ? Wie erfolgt die Konsolidierung des generierten Wissens (Modul F – Forschungsschiff) ?
  • Wie nutzen bzw. übernutzen Menschen mithilfe von Schiffen und anderen maritimen Technologien die Meere (Modul B – Schiff und Umwelt) ?

Die Funktion und Nutzung maritimer Technologien wird in einen räumlich und thematisch großen Rahmen eingespannt, der das Ausstellungs- und Forschungsprogramm ‚Mensch und Meer’ visuell und dreidimensional umsetzt:

Schiffbau-/Schifffahrtstechnik (Themenbereiche D Schiff und  Ausrüstung, E Akteure im Schiffbau und G Moderne Navigation), Umwelt (B Schiff und Umwelt) und physikalische Naturgesetze (C Schiff und Physik) werden als die Themenfelder räumlich verankert, zwischen denen sich die weltweite Nutzung des Meeres durch den Menschen im  Anthropozän bewegt. Im Raum öffnet sich so ein Spannungsbogen von der Westseite des Bangert-Baus, wo der menschliche Zugang zum Meer im Rahmen des maritimen Strukturwandels thematisiert wird (E Akteure im Schiffbau), über die zentrale Mittlerrolle des Schiffes zwischen Mensch (Wandseite) und Meer (Fensterbereich) im Kiesbett (F Forschungsschiff) nach vorne zur Fensterfront. Dort wird die Interdependenz zwischen physikalischen Faktoren, Umwelteinflüssen und maritimen Technologien seit der Industrialisierung thematisiert (Module A–C).

Die Ausstellung folgt keinem diachron vergleichenden Ansatz, sondern beginnt zeitlich mit dem Umbruch vom handwerklichen zum industriellen Schiffbau (Modul E – Akteure im Schiffbau) und dem Einsetzen industriell betriebener Ressourcengewinnung aus dem Meer (Modul B – Schiff und Umwelt). Historische Objekte, Archivalien und Fotos aus dem Sammlungsbestand werden Forschungsprojekten und -themen mit einem starken Aktualitätsbezug gegenübergestellt. Räumlich spannen die Ausstellungserzählungen einen Bogen von globalen Bezügen (Modul A, Modul E), internationalen Kooperationen (Modul F) bis hin zu stark regionalen Beispielen (Module B, D und E) und sehr grundlegenden Informationen über Schiffe (Modul C-D).

Die Erzählungen der einzelnen Module gehen von einzelnen Leitobjekten bzw. wichtigen Installationen aus. Diese Leitobjekte bzw. -installationen stellen permanente, stabile Elemente dar. Die mit ihnen verknüpften Inhalte und Objekte hingegen sollen Raum für Änderung in einem Rhythmus von ein, drei oder sieben Jahren zulassen. Dauerhaft angelegt ist auch das Band der Schiffsmodelle, das die gesamte Halle durchzieht. Da seine Form gleichbleibt und somit einen Wiedererkennungseffekt bietet, stellt das Band einen schiffstypologischen und chronologischen Kommentar, der die einzelnen Themenbereiche visuell und inhaltlich zusammenbindet. Das Band der Schiffsmodelle findet seinen Endpunkt im hinteren Bereich der Wandseite. Der Abschluss thematisiert die Art und Weise, wie Schiffsmodelle gebaut werden (Materialien, Bauweisen) und fügt sich somit als Endpunkt in das Modul E.

Die gesamte Ausstellung folgt einer größtmöglichen Beachtung von Prinzipien der Barrierefreiheit und Inklusion. Hierfür müssen neben Bodenleitlinien und unterschiedlichen Blindenschriften insbesondere die Leitobjekte zusätzlich durch Tastmodelle vermittelt bzw. die Leitinstallationen auch so barrierefrei wie möglich gestaltet werden.

Der Einsatz von Hands-on-Modellen und Medienstationen leitet sich inhaltlich aus der Ausstellungserzählung ab. Sie kontextualisieren Ausstellungsinhalte, liefern vertiefte Informationen und eröffnen eine sensorische und praxeologische Erfahrungsebene.

Die Ausstellung im Bangert-Bau stellt Schiffe und maritime Technologien als Objekte in den Mittelpunkt. Dies führt zu bestimmten Vermittlungsprinzipien, die gleichsam als ‚Objektgrammatik’ verstanden werden können:

  • Maritime Technologien und Schiffe sind sowohl im Entstehen als auch in ihrer Nutzung häufig besonders großformatig; gestalterisch sind daher durch Vergleiche o.ä. Größenverhältnisse hervorzuheben.
  • Maritime Technologien und Schiffe sind in Bau und Nutzung keine besonders ‚sauberen’ Technologien, sie machen Lärm, verursachen Schmutz, waren und sind häufig gesundheitsgefährdend. All dies wird inhaltlich in den unterschiedlichen Modulen aufgegriffen (besonders D, E, aber auch B und F). Hiermit ist auch gestalterisch umzugehen.
  • Einzelne Objekte werden möglichst umfassend vermittelt. Dies bedeutet, dass
  1. die Position und Funktion des Objekts erläutert werden müssen, zum Beispiel graphisch, aber eventuell auch durch eine Nutzung des direkten Blicks auf das Objekt (Lupenfunktionen);
  2. falls notwendig und vorhanden, das Verständnis für die Funktionen der Objekte, aber auch ihre kulturellen Konnotationen durch weitere kontextualisierende Quellen erzielt werden kann (Archivalien, Gemälde, Fotos…);
  3. das ‚handling’ der Objekte durch mediale Vermittlung (Filmische Sequenzen der Nutzung) und/oder durch Nachvollziehen (hands-on-Modelle) nahegebracht werden sollte;
  4. es eine sensorische Ebene der Objekte gibt (Geruch, Geräusch, Farbigkeit, Größe), die mit ihrer Nutzungs- und Deutungsgeschichte in Zusammenhang gebracht werden soll.
  • In jedem Modul werden Beziehungen zwischen Innen- und Außenbereich hergestellt. Besonders offensichtlich ist dies im Teilmodul ‚Wal‘ des Themenbereichs Schiff und Umwelt, da Fotografien und Objekte gezeigt werden, die mit der im Museumshafen befindlichen RAU IX in Beziehung gesetzt werden. Es trifft aber auch auf die im Kiesbett geplante Forschungsschiffsinstallation zu (AWI in Blickweite) oder auf Hinweise auf Materialien des Schiffbaus, der Diva und dem Betonschiff Paul Kossel in den Modulen C und E. Es ist gestalterisch zu überlegen, wie diese Beziehung zwischen außen und innen genutzt werden kann.

 

Kurzbeschreibung der Module